Im Grunde ist der Montblanc Rouge et Noir ideal für Liebhaber von Schreibgeräten: Er besitzt das gewisse Etwas und ist alles andere als gewöhnlich, jedoch gleichzeitig schlicht genug, um ein ständiger Begleiter im Alltag zu sein. Auch die elastische Feder des Füllers ist bemerkenswert. Die Rouge-et-Noir-Serie ist noch recht jung: Sie kam als Teil der Heritage-Linie im Jahr 2016 auf den Markt, um den 110-jährigen Pioniergeist von Montblanc zu würdigen. 

Der Rouge et Noir zeichnet sich – wie alle Produkte der Heritage-Linie – durch ein in den letzten Jahren beliebtes Retro-Design aus, das von Vintage-Produkten inspiriert ist und deren Charme aufgreift – Man denke nur an den Fiat 500, die Omega Seamaster 300 Master Co-Axial oder Kühlschränke der Firma Smeg. Erhältlich sind drei Schreibgeräte: Füllfederhalter, Kugelschreiber und Rollerball. Zusätzlich bietet Montblanc markentypische Accessoires wie Manschettenknöpfe und Krawattennadeln an, allesamt mit der markanten Schlange.

Das Jahr 1906, dem die Rouge-et-Noir-Linie Tribut zollt, markiert den Anfang der Historie des Hamburger Unternehmens. In diesem Jahr kam auch der Ur-Rouge-et-Noir auf den Markt. Der Clou: Man musste die Feder – wie damals üblich – nicht mehr ins Tintenfass tunken, sondern konnte komfortabel einen Tank im Inneren des Füllers befüllen. Dies war nichts geringeres als eine Revolution in der Geschichte der Schreibgeräte.

Montblanc schreibt im Online-Shop zum aktuellen Rouge et Noir:

Die Heritage Collection Rouge et Noir würdigt den 110-jährigen Pioniergeist von Montblanc.

Und wenn man sich die alten Füller der frühen 1900er Jahre anschaut, dann erkennt man tatsächlich auf den ersten Blick die Ähnlichkeit, die die Ur-Modelle mit der Heritage-Linie teilen.

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Der Rouge et Noir verdankt seinen Namen dem Buch „Le Rouge et le Noir“ von Stendhal. Die stilisierte Schlange, die den Clip des Füllers darstellt, stammt indes nicht aus dem Jahr 1906, sondern aus den 1920er Jahren. In diesem Jahrzehnt war das Schlangensymbol ein beliebtes und gern verwendetes Stilelement.

Mein Rouge et Noir hat übrigens die Federbreite F. Da ich ihn bereits seit einiger Zeit benutze, erkennt man auf den Fotos eventuell die eine oder andere Gebrauchsspur.

Auspacken

Nun geht’s ans Eingemachte. Wenn man sich ans Auspacken des Füllers macht, dann begegnet einem zunächst die für Montblanc typische neutrale Umverpackung.

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Nur anhand des Etiketts erkennt man, dass es sich um etwas Besonderes handelt – eine Special Edition. Hier offenbart sich auch die genaue Bezeichnung des Füllers: Montblanc Heritage Collection Rouge et Noir Special Edition black.

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Sobald man die Umverpackung entfernt, offenbart sich die Ästhetik, die dem Füller innewohnt. Die Verpackung besitzt die passenden Farben – rouge und noir – und steigert die Vorfreude. Spätestens jetzt fällt es schwer, sich beim Auspacken Zeit zu lassen.

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Je näher man dem Füller kommt, desto gefälliger scheinen die Details zu werden. Die Hauptbox besitzt eine Struktur, die der einer Schlange ähnelt, passend zum Clip und zur Feder. Es ist schön zu sehen, dass Montblanc dem Rouge et Noir keine Standardbox verpasst hat, sondern sich selbst hier Mühe gibt, ihn so ansprechend wie möglich zu präsentieren.

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In dem Booklet befindet sich geschichtliche Details – passend im Heritage-Stil bebildert –, die Bedienungsanleitung und das Garantiezertifikat.

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Und dann, dann ist es soweit: Die schwarze Box darf sich endlich öffnen.

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Erster Eindruck

Es handelt sich um alles andere als um einen Standard- oder 0815-Füller und das merkt man gleich, wenn man ihn zum ersten Mal sieht. Wenn man den Rouge et Noir in die Hand nimmt, fallen zwei Dinge auf: Das recht hohe Gewicht und die zierliche Silhouette. Gerade wegen des Gewichts macht der schlanke Rouge et Noir jedoch – so meine persönliche Erfahrung – auch in größeren Händen eine gute Figur. Gefühlt würde ich sagen, dass mir der Rouge et Noir sogar besser in der Hand liegt als das etwas dickere Montblanc Meisterstück Chopin.

Konkret bringt der Rouge et Noir stattliche 34 Gramm auf die Waage, das Montblanc Meisterstück LeGrand hingegen 30 Gramm und das Meisterstück Chopin (aus Gründen der Chancengleichheit mit Konverter, hierzu weiter unten mehr) 21 Gramm. Ein Pelikan Souverän M400 wiegt lediglich 15 Gramm.

Im Vergleich zum Meisterstück Chopin und LeGrand fällt auf, dass der Rouge et Noir deutlich schlanker, aber keineswegs kürzer ist.

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Aussehen und Verarbeitung

Das Highlight des Rouge et Noir ist wohl der Schlangenclip, der fest in die Kappe integriert wurde und einen soliden Eindruck macht. Solch einen soliden Eindruck macht übrigens nicht nur der Clip, sondern vielmehr auch die gesamte Verarbeitung, die bis ins letzte Detail als perfekt bezeichnet werden kann und keine Wünsche offen lässt.

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Es fällt positiv auf, dass es keines Kraftakts bedarf, den Clip auch als solchen zu verwenden. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass Montblanc eine spezielle Metalllegierung verwendet, die dem Clip eine gewisse Elastizität verleiht. Durch ein Galvanisierungs- und Abbeizverfahren erhält die Schlangenapplikation zudem eine dezente Patina.

Am oberen Ende befindet sich das bekannte und beim Rouge et Noir recht groß ausfallende Montblanc-Logo auf rotem Hintergrund.

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Auf der Seite der Kappe befindet sich zudem eine schlichte und sehr unauffällige Gravur mit einer historischen Variante des Montblanc-Schriftzugs.

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Wenn man die Kappe abnimmt (diese lässt sich übrigens nicht aufs hintere Ende des Rouge et Noir stecken), stellt man recht schnell fest, dass der Füller an sich ziemlich schlicht ist. Im Grunde ist es nur die außergewöhnliche, exzentrische Kappe, die den Rouge et Noir zu einem wahren Highlight macht. Der Füller selbst ist simpel und geradlinig gehalten und mutet fast schon minimalistisch an.

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Vielleicht macht das Schreiben mit ihm gerade deshalb so viel Spaß: Der Rouge et Noir ist eine außergewöhnliche Special Edition, die man nicht alle Tage sieht, doch wenn man die Kappe abnimmt, ihn in der Hand hält und mit ihm schreibt, dann wird er zu einem schlichten, hochwertigen Arbeitstier. Meiner Meinung nach ist das eine hervorragende Kombination.

Feder und Füllsystem

Auf der Feder setzt sich das Schlangenmotiv fort. Auch dieses Detail macht einfach nur Spaß: Beim Schreiben hat man die Schlangengravur permanent im Blick und doch wird sie nicht gewöhnlich. Die Feder besteht aus rhodiniertem, 14-karätigem Gold.

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Entsprechend dem Material befinden sich die Beschriftungen MONTBLANC, 14K, Au585 und ein StOD-Schriftzug auf der Feder. Bei letzterem handelt es sich um eine von Montblanc Anfang der 1990er Jahre registrierte Marke.

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Beeindruckend ist übrigens die Elastizität der Feder (man nennt die Eigenschaft auch „springy“, nicht zu verwechseln mit „flex“). Diese gibt großzügig nach, wenn man ein wenig mehr aufdrückt und sorgt so für ein hervorragendes Schreibgefühl. Man bekommt beim Schreiben ein gewisses Feedback vom Papier, wegen der elastischen Feder schreibt es sich jedoch trotzdem sehr weich. Dies fällt auch dann auf, wenn man keinen Druck aufwendet. Ansonsten schreibt der Rouge et Noir tadellos und zuverlässig: Keine Aussetzer, kein Kleckern, kein Kratzen.

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Die feine Feder fällt tatsächlich fein aus (geschrieben mit Diamine Midnight). Auf dem ersten Foto kann man unten rechts erkennen, dass der Rouge et Noir eine gewisse Strichvarianz erlaubt. Beim normalen Schreiben erreicht man diese jedoch nicht, wenn man es nicht willentlich provoziert.

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Was das Füllsystem anbelangt, handelt es sich um einen Kolbenfüller – eigentlich. Denn tatsächlich hat Montblanc einen Konverter in dem Rouge et Noir verbaut. Einen Hinweis hierauf erhält man nur, wenn man den Füller schüttelt. Dann kann man hören, dass sich im Inneren ein loses Teil bewegt. Hierbei handelt es sich um die kleine Feder, die sich auch in den Montblanc-Konvertern befindet. Das ist gelinde gesagt nichts, was man bei einem Luxus-Füller für 620 Euro erwarten würde. Hier (Link zum Fountain Pen Network) wurde ein Foto der Bauteile des Rouge et Noir gepostet, auf dem man deutlich den Konverter erkennen kann. Trotzdem: der KonverterKolbenmechanismus funktioniert einwandfrei und gibt ein angenehmes haptisches Feedback.

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Preis und Verfügbarkeit

Der schwarze Rouge-et-Noir-Füller kostet 620 Euro, die Coral-Version 745 Euro. Die bald erscheinende Variante in Tropic Brown mit goldenen Beschlägen wird 765 Euro kosten. Alle Rouge-et-Noir-Füller sind lediglich in den Federstärken F und M erhältlich.

Auch wenn es sich um eine Special Edition handelt und die Rouge-et-Noir-Serie im Online-Shop von Montblanc sogar als Limited Edition geführt wird, dürfte jedenfalls der schwarze Rouge et Noir längerfristig – wenn nicht gar auf unbestimmte Zeit – verfügbar sein. Denn Montblanc scheint die Rouge-et-Noir-Serie aktuell weiter auszubauen und es ist unwahrscheinlich, dass gerade der schwarze Füller – also die Standard-Variante – aus dem Sortiment genommen wird. Der Rouge et Noir ist sowohl online über Montblanc erhältlich als auch in den Montblanc-Boutiquen, wo er mich endgültig angefixt hat, als ich ihn zum ersten Mal in der Hand gehalten habe.

Die Coral- und Tropic-Brown-Versionen des Rouge et Noir werden hingegen nur in einem einzigen Produktionslauf hergestellt. Wenn diese ausverkauft sind, wird es keinen Nachschub geben.

Zusammenfassung

Lange wohnte mir die Vorstellung inne, dass ein Special-Edition-Füller kein Alltagsfüller wäre und man hierfür eher einen „Standardfüller“ verwenden sollte. Der Rouge et Noir ist jedoch nicht nur für beides gut geeignet, er vereint diese Attribute einfach perfekt. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich der schmale Grat des exzentrischen Charakters, der mit dem Aufsetzen und Abnehmen der Kappe steht und fällt, gepaart mit hervorragenden Schreibeigenschaften. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich den Rouge et Noir gerade für schreibintensive Angelegenheiten verwende, die im Alltag anfallen.

Vor diesem Hintergrund kann ich es ihm noch nicht einmal richtig übel nehmen, dass Montblanc keinen originären Kolbenmechanismus in ihm verbaut hat – Und das, obwohl mir solche Kleinigkeiten eigentlich sehr wichtig sind.

Montblanc hat es geschafft, eine wahrlich außergewöhnliche Special Edition herauszubringen, die trotzdem nicht aus der Reihe tanzt. Ein Drahtseilakt, der besser nicht ausbalanciert sein könnte. Gleichzeitig eignet sich der Füller hervorragend für seine Bestimmung: Schreiben. Bei Sondereditionen ist das nicht immer selbstverständlich. Der Preis ist natürlich recht happig, aber innerhalb des Montblanc-Sortiments nicht überdurchschnittlich. Wenn man das berücksichtigt, dann eignet sich der Rouge et Noir erst recht als idealer Füller für den Alltag.


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