Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer und kälter, T-Shirts weichen Schals und Wollpullovern. Erstmals läuft wieder die Heizung. Draußen wechselt das Farbspektrum der Blätter von einem frischen Grün zu einer Mischung aus Gelb, Braun und Rot. Diamine hält hierzu die passende Tinte bereit: Autumn Oak.

Tatsächlich ist Autumn Oak eine der Tinten, die wirklich etwas besonderes sind. Während zahlreiche Tinten irgendwo zwischen gedecken Farben und Durchschnittlichkeit in der Masse untergehen, bringt Diamine Autumn Oak eine herbstliche Farbpracht aufs Papier, ohne dabei zu bunt zu sein.

Die Tintenzeilen für diese Ink Review habe ich mit einem Montblanc Meisterstück 145 („Chopin“, Federbreite M) und dem blauen Oxford-Block mit 90g/m² geschrieben.

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Verpackung und Auftritt

Das 30-ml-Tintenfass der Diamine Autumn Oak wurde ohne Umverpackung geliefert (jedenfalls die 80-ml-Gefäße kommen in einer Umverpackung aus Pappe). Das Behältnis  ist aus Plastik und mit dem klassischen monotonen Etikett bedruckt, das selbst keine Bezeichnung der jeweiligen Tinte enthält. Dafür befindet sich die Tintensorte auf einem separaten Etikett, welches auf dem verschraubten Deckel angebracht ist.

Autumn Oak wird teilweise auch mit dem farbigen Etikett von Diamine verkauft, auf dem die Tintensorte direkt vermerkt ist.

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Ich persönlich liebe die 30-ml-Tintenfässer von Diamine. Wieso? Ganz einfach: Wegen ihrer geringen Größe sind sie geradezu prädestiniert dafür, mitgenommen zu werden. Ich ertappe mich häufig dabei, ganz beiläufig zwei oder drei Diamine-Tintenfässer in meine Tasche zu stecken, bevor ich das Haus verlasse. Klar, auch ein großes Pilot-Iroshizuku-Glas bekommt man ohne Probleme in die Tasche. Und trotzdem fühlt es sich deutlich unbeschwerter an, dieses kleine Behältnis – oder halt gleich mehrere – einzustecken.

So mobil sich die Größe auch anfühlt, so unvorteilhaft gestaltet sich das Betanken des Füllfederhalters: Die Öffnung des Fasses ist wirklich (wirklich!) klein geraten. Es dürfte keine Seltenheit sein, dass ein Füller nicht in das Diamine-Fass passt. Da ich noch am Anfang meiner Diamine-Karriere bin, kann ich hierzu keine Erfahrungswerte geben (über Erfahrungen hierzu freue ich mich – gern als Kommentar oder Nachricht).

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Preis und Verfügbarkeit

Die Diamine-Tinten sind allesamt nicht schwer erhältlich, auch deutsche Online-Shops bieten sie an. Im Schreibwarenladen dürfte es eher schwierig werden, jedoch gibt es Geschäfte, die Diamine Autumn Oak vor Ort verkaufen.

In preislicher Hinsicht zählt Diamine zu den eher preiswerteren Herstellern. 10 ml normaler (sprich nicht schimmernder) Diamine-Tinte kostet rund zwei Euro. Montblanc und Pilot-Iroshizuku-Tinten sind teurer, die 4001-Pelikan-Tinten preiswerter.

Das 30-ml-Fass gibt es aktuell bei Amazon – Versand hinzugerechnet – für 5,85 Euro. Da kann man tatsächlich nicht viel falsch machen.

Die Tinte: Farbe, Aussehen und Shading

Autumn Oak hält, was der Name verspricht und sorgt für ein wahres Herbsterlebnis beim Schreiben. Das Shading ist sehr stark ausgeprägt und macht einfach nur Spaß. Die Farbe changiert irgendwo zwischen Ocker, Orange, Karamell, Kürbis, Bernstein und Kupfer.

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Gerade bei den hellen Linien wirkt es so, als würde sich nur ein leichter – aber dennoch flüssiger – Tintenfilm auf das Papier legen, während bei langsameren oder Richtung wechselnden Federbewegungen ein üppiger Fluss für kräftige Rot-Orange-Töne sorgt.

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Bei mehreren Schichten Autumn Oak sieht man, dass sich die Tinte weiter verdunkelt. Diese drei Farbnuancen charakterisieren den Gesamteindruck des Farbtons recht gut.

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Die Tinte färbt außerdem ein wenig nach: Wenn man ein ganzes Blatt beschreibt, kann man – wenn man am Ende des Blattes angekommen ist– erkennen, dass sich der obere Teil des Autumn Oak ein wenig mehr in Richtung Orange verfärbt hat. Auch hier bietet Autumn Oak ein Fest für die Sinne.

Einen kleinen Nachteil hat das Farbfest jedoch: Die problemlose Ablesbarkeit ist auf den ersten Blick nur mittelmäßig. Achtung: „Nur mittelmäßig“ soll bedeuten, dass sich die Tinte keineswegs schlecht lesen lässt. Es dürfte jedoch auf der Hand liegen, dass sich gedeckte oder gar dunkle Tinten etwas besser lesen lassen.

Ich habe mir die größte Mühe gegeben, die Tinte so authentisch wie möglich abzulichten und die Fotos mit dem beschrieben Blatt Papier in der Hand nachbearbeitet. Kleine Differenzen können jedoch immer auftreten, nicht zuletzt aufgrund von Foto-Komprimierung sowie unterschiedlichen Displays und Farbprofilen.

Tintenfluss, Trockenzeit und Wasserfestigkeit

Auch wenn ich zuvor beschrieben hatte, dass manch geschriebene Linien so wirken, als würde sich nur ein leichter Film auf das Papier legen: Der Tintenfluss ist hervorragend und feucht. Ich habe Autumn Oak mittlerweile in drei verschiedenen Füllern verwendet und unterschiedliche Papiersorten beschrieben – nirgendwo tat sich auch nur ein Problem auf.

Die Trockenzeit ist als durchschnittlich zu bezeichnen. Für die alltägliche Verwendung dürfte es hier keine Schwierigkeiten geben.

Wasserfest ist die Tinte nicht.

Zusammenfassung

Diamine Autumn Oak hält, was der Name verspricht und bietet eine beeindruckende Farbvielfalt mit üppigem Shading. Ich habe mir die Tinte mit der Absicht gekauft, die Stimmung des Herbstes auch auf dem Papier zu haben und Autumn Oak ist hierfür die perfekte Wahl. Trotz allem ist die Tinte nicht zu bunt oder gar zu quietschig.

Auch die Lesbarkeit ist in Anbetracht der farblichen Besonderheit durchaus gut. Es liegt auf der Hand, dass ein dunkles Blau besser ablesbar ist, aber dies dürfte bei niemandem, der eine solche Tinte kauft, einen zentralen Aspekt darstellen.

Wer eine Tinte sucht, die eine gelungene Abwechslung zu den herkömmlichen Farbtönen bietet, der dürfte mit Autumn Oak glücklich werden. Gleiches gilt für Freunde intensiven Shadings.

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