Es gibt mehrere Methoden, um einen Füllfederhalter mit Tinte zu befüllen. Doch welche ist eigentlich die beste? Diese Frage lässt sich kaum allgemeingültig beantworten, hängt sie doch von den jeweiligen Präferenzen eines jeden Einzelnen ab. Und trotzdem gibt es Gründe, die für oder gegen eine Methode sprechen.

Im Folgenden soll eine kleine Übersicht über die herkömmlichen Möglichkeiten gegeben werden, mit denen ein Füllfederhalter mit Tinte versorgt werden kann. Dieser Artikel beansprucht weder Vollständigkeit noch Allgemeingültigkeit und soll lediglich einen kleinen Vergleich anstrengen.

Der Standard: die Tintenpatrone

Zur Patrone muss vermutlich nicht viel gesagt werden. Heutzutage sind die meisten Füller für Patronen gemacht. Dies hat einen simplen Grund: Das Benutzen von Patronen ist am einfachsten. Es geht schnell und vor allem sauber. Zwei, drei Patronen lassen sich stets ohne Probleme mitnehmen und benötigen praktisch keinen Platz. Zudem lässt sich der Füllstand der Patrone zuverlässig feststellen, indem ein Blick auf die verwendete Patrone geworfen wird.

Tintenvielfalt dank Kolbenfüller

Der wohl größte Vorteil des Kolbenfüllers liegt in der Möglichkeit, auf ein vielfach größeres Tintensortiment zugreifen zu können. Die meisten Tinten werden nämlich in Gläsern verkauft. Und wer das Schreiben mit seinem Füllfederhalter zelebriert, der erfreut sich zumeist auch daran, wenn sich die „Qual der Wahl“ nicht bloß auf Königsblau oder Schwarz reduzieren muss, sondern es eine nahezu unbegrenzte Auswahl an verschiedenen Tinten und insbesondere Farbtönen gibt. Allein die Auswahl, die der Hersteller Diamine anbietet, zeigt, dass das Angebot schlicht unfassbar groß ist. Außerdem darf die große Auswahl an Tinten nicht bloß auf Farbvielfalt reduziert werden: Die Tinte ist letztlich das, was nach dem Prozess des Schreibens auf dem Papier übrig bleibt. Zu einem großen Teil hängt es von der verwendeten Tinte ab, wie sich das Geschriebene auf dem Blatt verhält. Sowohl Farbschattierungen im Schriftbild als auch Ausfransen, Durchdrücken, Verwischen, Verlaufen oder die Trockenzeit werden maßgeblich von der jeweiligen Tinte beeinflusst.

Ein Kolbenfüller funktioniert – vereinfacht gesagt – so, dass die Feder ins Tintenglas gehalten wird und dann durch Drehen des Kolbens (am hinteren Ende des Füllers) die Tinte direkt in den Füller gezogen wird. Der Füller selbst ist sozusagen der Tintentank. Dies bringt gleich mehrere Vorteile: Einerseits passt in die meisten Kolbenfüller mehr Tinte als in eine Patrone. Anderseits schreibt der Füller sofort mit der Tinte, mit der er befüllt wurde, da diese direkt durch die Feder geflossen ist. Wer also gern verschiedene Tinten benutzt, muss nicht erst warten, bis die neue Tinte endlich „durch den Füller“ gekommen ist, wie es bei Patronen der Fall ist.

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Trotz der Vielfalt bringt der Kolbenmechanismus einige Nachteile mit sich. Das Aufziehen stellt nämlich einen kleinen Akt dar. So sollte die Feder nach dem Eintunken ins Tintenglas mit einem Tuch gereinigt werden. Und auch wenn Routine einkehrt, geht das Befüllen mittels Patrone stets schneller vonstatten. Da sozusagen offen mit der Tinte gearbeitet wird, sind Patronen tendenziell auch sauberer. Jeder, der seine Kolbenfüller befüllt, kleckert irgendwann einmal – egal ob kleine Sprenkler, Kleckse oder gar Pfützen. Mit Patronen passiert dies nur im absoluten Ausnahmefall.

Trotzdem: Dieser kleine Akt kann auch als Zeremonie betrachtet werden. Wer sich an der Entschleunigung erfreut, die das handschriftliche Schreiben mit einem Füllfederhalter bedeutet, der kann das Befüllen des Kolbens mit bestem Gewissen zelebrieren.

Konverter: goldene Mitte oder nur Kompromiss?

Zu guter Letzt gibt es noch einen Mittelweg: den Konverter. Dieser ist letztlich nichts anderes als ein kleiner Kolbenmechanismus, der wie eine Patrone in einen Patronenfüller gesteckt wird. Wieso nicht gleich einen Kolbenfüller kaufen? Ganz einfach. Weil es nicht jeden Füller als Kolbenfüller gibt. Wer unbedingt einen Füllfederhalter haben möchte, den es nur als Patronenfüller gibt, kann dank eines Konverters sämtliche Tinten auch in Patronenfüllern verwenden, indem er den Konverter wie einen Kolbenfüller befüllt.

Es kommt jedoch vor, dass beim Aufziehen mittels Konverter Luftblasen in den Konverter gezogen werden, weshalb das Aufziehen wiederholt werden muss, um den Konverter mit Tinte befüllt zu bekommen. Zudem wird häufig moniert, dass ein Konverter nicht das gleiche Gefühl vermittelt wie Kolbenfüller.

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Zusammenfassung

Am einfachsten ist natürlich die Handhabung von Patronen. Aufschrauben, reinstecken, zuschrauben, schreiben. Dennoch bietet ein Kolbenfüller die größten Möglichkeiten und etwas, nachdem sich viele Leute sehnen: Entschleunigung, Genuss. Menschen fahren unkomfortable Oldtimer und bereiten Espresso mit Siebträger- oder gar Handhebelmaschinen zu, obwohl sie eine Kapsel einwerfen und einen Knopf drücken könnten. Das handschriftliche Schreiben lässt sich einfach am besten mit einem Kolbenfüller zelebrieren.

Und ob ein Konverter das Beste aus zwei Welten vereint oder weder Fisch noch Fleisch ist, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Ich persönlich gehöre auch zu der Fraktion, die beim Benutzen eines Konverters etwas vermisst. Es ist einfach nicht das selbe wie das Aufziehen eines Kolbenfüllers. Insofern werde ich niemals sagen: Hey, ich will unbedingt einen Füller mit Konverter benutzen – Und trotzdem bin ich froh, auf diesem Weg meine Lieblingstinten in manchen Füllern verwenden zu können.

Wenn ich einige triftige Argumente außer Acht gelassen haben sollte, freue ich mich über einen Kommentar oder eine Nachricht. Gern trage ich den einen oder anderen Aspekt nach, vielleicht ergeben sich aber auch interessante Diskussionen.


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